Bundesnetzagentur

15.05.2014



Beim Ausbau der Stromnetze besteht erheblicher Handlungsbedarf.

Das machte Jochen Homann, Chef der Bundesnetzagentur, auf der Jahrespressekonferenz der Behörde deutlich, die letzte Woche in Bonn stattfand. Da ist zum einen der Netzausbau auf Basis des EnLAG, des Energieleitungsausbaugesetzes von 2009 zu nennen. Von den dort definierten 1.900 Leitungskilometern sind erst etwa 300 Kilometer fertig und betriebsbereit. Für den Chef der Netzaufsicht ist das unbefriedigend und zu langsam. Zum anderen gibt es das Bundebedarfsplangesetz. Es stellt die Grundlage für den aktuellen Netzentwicklungsplan dar, der den Neubau von 2.300 Leitungskilometern und die Ertüchtigung von 2.700 Leitungskilometern vorsieht.

Von den 36 definierten Projekten fallen drei Fernleitungstrassen besonders ins Auge: das „Ultranet" von Emden nach Philippsburg, der „Südlink" von Wilster in Schleswig Holstein nach Grafenrheinfeld und die „Gleichstrompassage Süd-Ost" von Lauchstädt in der Nähe von Leipzig nach Meitingen bei Augsburg.

Während Jochen Homann für die ersten beiden ersten Korridore zügig die Festlegung konkreter Trassen im Planfeststellungsverfahren erwartet, hakt es beim dritten Projekt deutlich. Hier erwartet die Bundesnetzagentur, dass es zu intensiven Diskussionen mit den betroffenen Bürgern über veränderte Teiltrassen und den Einsatz alternativer Technologien, wie zum Beispiel Erdkabeln, kommen wird. Das ändert für Jochen Homann jedoch nichts an der grundsätzlichen Notwendigkeit der Leitung mit einer Kapazität von zwei Gigawatt.
Bei der Pressekonferenz betonte er, dass alles darauf hin deutet, dass der Bedarf weiter besteht. Bei optimistischer Einschätzung soll die Planung 2015 abgeschlossen sein, damit die Leitung im Jahre 2020 in Betrieb gehen kann.

Ein weiteres Thema auf der Jahrespressekonferenz der Bundenetzagentur war die mangelnde Wirtschaftlichkeit konventioneller Kraftwerke.
Jochen Homann berichtete, dass aktuell 47 Blöcke mit einer Kapazität von 13,5 Gigawatt zur Stilllegung angemeldet seien. Inwieweit den Anträgen nachgegeben werden kann, hängt von deren Bedeutung für die Systemstabilität ab.
Die im letzten Sommer in Kraft getretene Reservekraftwerksverordnung, die vorerst bis Ende 2017 befristet ist, ermöglicht, jedes einzelne Vorhaben zu prüfen und bei Bedarf zu untersagen. Für den kommenden Winter sieht es laut Homann jedoch recht gut aus. Von den 47 Blöcken wurden nur sieben als systemrelevant eingestuft. Die erforderliche Reservekapazität – überwiegend zum Ausgleich für die unregelmäßig zur Verfügung stehende Sonnen- und Windenergie – habe man weitgehend gesichert. 3.000 Megawatt seien bereits unter Vertrag, lediglich 64 Megawatt fehlten noch.
Größere Anstrengungen sind in den kommenden Wintern 2015/2016 und 2016/2017 notwendig, wenn weitere Kernkraftwerke abgeschaltet werden. Dann müssen Reservekapazitäten von 6.000 beziehungsweise 7.000 Megawatt aufgebaut sein, von denen derzeit noch rund 1.400 und 3.000 Megawatt fehlen. Die bestehende Lücke soll mit vorhandenen Anlagen gefüllt werden; ein Bedarf an neuen Kraftwerken bestehe aus Sicht der Netzbetreiber nicht, hieß es.