Negative Strompreise

26.06.2014



Die Energiewende führt manchmal zu sonderlichen Entwicklungen. In Zeiten, in denen zu viel Strom aus Erneuerbaren Energien zur Verfügung steht und konventionelle Kraftwerke nicht schnell genug heruntergefahren werden können, muss dieses zu viel an Strom zur Aufrechterhaltung der Netzstabilität unbedingt abgesetzt werden.

Das kann dazu führen, dass der Strompreis an den Handelsplätzen nicht nur kurzzeitig sehr günstig ist, sondern dass Käufer sogar noch Geld erhalten, wenn sie Strom abnehmen. In diesem Fall wird von negativen Strompreisen gesprochen.

Nach Aussage von Agora Energiewende, einer gemeinsame Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation, kam es an der deutsch-französischen Strombörse EPEX SPOT zwischen Dezember 2012 und Dezember 2013 an 97 Stunden zu negativen Strompreisen.

Der Grund dafür sei die Inflexibilität von Braunkohle- und Kernkraftwerken, aber auch der wärmeorientierte Betrieb von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. Diese hätten trotz dem negativen Preissignal von der Börse weiter Strom produziert und zusammen mit der Elektrizität aus Erneuerbaren zu einem Überangebot geführt. Für die Verbraucher bedeutete das, dass aufgrund des negativen Verkaufspreises Kosten von rund 90 Millionen Euro entstehen.

Der Grund: Die Erneuerbaren Energien werden in die Stromnetze eingespeist, anschließend an der Börse verkauft und die Erträge mit der EEG-Umlage verrechnet. Niedrige Verkaufserlöse belasten die EEG-Umlage, hohe Verkaufserlöse entlasten sie. Für die Zukunft gibt Agora Energiewende keine Entwarnung. Würden die konventionellen Anlagen weiterhin so inflexibel bleiben, könnten 2022 an rund 1.000 Stunden im Jahr negative Strompreise anfallen.