EEG 2017 – gute Chancen für Biogas-Bestandsanlagen

02.09.2016

Potsdam, 2. September 2016. Für Biogas wurde im neuen EEG 2017 ein Zubaukorridor verankert, nach dem einmal jährlich eine feste Menge Biogasstrom ausgeschrieben wird: Wer seinen Strom für die EEG-Vergütungsperiode am günstigsten anbietet, bekommt den Zuschlag für 20 Jahre. Auch bestehende Anlagen dürfen sich an dieser Ausschreibung für eine Anschlussförderung am Ende ihrer ersten 20 Jahre EEG-Vergütung beteiligen - damit öffnet das Gesetz eine Zukunftsperspektive für die Branche.
Für Bestandsanlagen dauert die zweite Vergütungsperiode nochmals zehn Jahre. Für diese Zeit gilt der Rechtsrahmen des EEG 2014. Die Leistung des BHKW muss dann doppelt so hoch sein wie die durchschnittlich eingespeiste Strommenge („Bemessungsleistung“). Als Substrat darf höchstens 50 % Mais eingesetzt werden. Dieser Wert wird in den Jahren ab 2019 auf höchstens 44 % sinken. Anders als bisher erfahren alle Anlagen die gleiche Behandlung, ungeachtet der Größe und des Substrateinsatzes.
Die Fachwelt rechnet nun damit, dass es wegen der strengen Preisobergrenze für Neuanlagen von unter 15 Ct je Kilowattstunde, zuzüglich Flexibilitätszuschlag, kaum neue Bieter geben wird. Die Preisobergrenze für Bestandsanlagen hingegen liegt mit 16,9 Ct/kWh etwas höher und die Investitionen sind meist schon bezahlt. Demnach könnte nahezu das gesamte Ausschreibungsvolumen an die heutigen Bestandsanlagen für die Verlängerung ihrer Förderung fallen. 
Um bei der Preisobergrenze noch Geld verdienen zu können, müssen die Anlagenbetreiber die Kosten im Griff behalten. Die erzeugte Wärme sollte mit einem echten Erlös verwertet werden, denn KWK-Bonus gibt es dann nicht mehr. Am Strommarkt ist durch Flexibilität zusätzliches Geld zu verdienen - der heute übliche Dauerbetrieb mit Regelleistung genügt dafür nicht. Die Betriebsweise der Zukunft passt viertelstundengenau die täglich zwei bis drei Hochpreisphasen ab.
Bei der Direktvermarktung gab es schon bittere Enttäuschungen, weil viele Einspeiser auf Regelenergie gesetzt hatten. Dieses kleine Marktsegment ist aber rasch im Preis verfallen und nicht mehr attraktiv. „Für beste Erträge braucht man einen Handelspartner, der auf allen Märkten an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr unterwegs ist. Der Energiehandel kennt keinen Feiertag und schläft nicht“, sagt Harald Donner, Abteilungsleiter Regionalvertrieb bei der Potsdamer natGAS Aktiengesellschaft. Entscheidend im Fahrplanbetrieb sei, dass die stark schwankenden Spotmarktpreise innerhalb eines Handelstages genutzt, aber gleichzeitig die Bedingungen der Biogasanlage, wie die verfügbare Gasmengen, die Grenzen des Biogasspeichers und der Wärmebedarf  beachtet  werden. „Nur einmal wöchentlich einen festen Fahrplan zu erstellen ist deutlich zu wenig“, so Donner weiter. „Eine gute Direktvermarktung optimiert den Betrieb auch jederzeit im kontinuierlichen Intradayhandel. So lässt sich mit kleinen Laständerungen ohne zusätzliche Starts noch einiges hinzuverdienen.“

Abwarten – die falsche Strategie

Zu den Chancen im neuen EEG zählt auch der Umkehrschluss: Wer seinen Anspruch auf Flexibilitätsprämie nicht heute schon richtig nutzt, hat bei der Ausschreibung gravierende Nachteile. Genauer: Wer sich bei der Flexibilisierung mit der Verdoppelung der Leistung begnügt, steckt am Ende der EEG-Laufzeit in einer betriebswirtschaftlichen Sackgasse. 
Die Flexibilitätsprämie wird nach aktueller Gesetzeslage nur gezahlt, bis 1.350 MW zugebaut sind („Flex-Deckel“). Zwar wurden davon bis Mitte 2016 erst etwa 10 % abgerufen. Doch schon vor der EEG-Novelle nahm die Investitionstätigkeit zu und der – oft falsche – Zubau verringert das noch verfügbare Kontingent. Würden nur die Hälfte der Biogasanlagen die Flexibilitätsprämie noch voll ausnutzen, müsste der Deckel auf 7.500 MW angehoben werden.
Am Ende der EEG-Vergütung wird es ganz sicher zu spät sein, noch in neue BHKWs und die Umstellung auf bedarfsorientierte Erzeugung investieren zu können. Die Kosten dafür müssten in das Angebot für die zweite Vergütungsperiode eingerechnet werden. Damit wären die Chancen bei der Ausschreibung deutlich kleiner und die Investition würde zugleich unsicher.
Wer also aktuell über die Flexibilisierung nachdenkt, wird viele Argumente dafür finden, die Flexibilitätsprämie so weit wie möglich auszunutzen. Tatsächlich kann man sich damit eine anspruchsvolle Modernisierung leisten, denn die Flexibilitätsprämie wird von Banken gerne als Sicherheit akzeptiert und voll beliehen. Allerdings ist mit erheblichen Anstrengungen für Planung, Genehmigungsverfahren und Implementierung zu rechnen.
Betreiber, die damit noch nicht angefangen haben und sich der Halbzeit der ersten Förderperiode nähern, müssen jetzt schnell handeln, denn die Flexprämie ist auf die Laufzeit der ersten Vergütungsperiode beschränkt. Beträgt die EEG-Restlaufzeit weniger als zehn Jahre, geht der Anspruch auf Flexprämie unwiederbringlich verloren.
Auch Anlagenbetreiber, die schon Flexibilitätsprämie erhalten, sollten wegen des EEG 2017 ihre Entscheidungen schnellstens nochmals überprüfen. Jeder Monat, der für eine „kleine Flexibilisierung“ in Anspruch genommen wird, geht für die Finanzierung eines zukunftssicheren, großen BHKWs verloren.
So bleibt als Fazit: Das EEG bringt den Betreibern von bestehenden Biogasanlagen eine interessante Option für eine zehnjährige Verlängerung der förderfähigen Betriebszeit – wenn man jetzt handelt.

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